Rolle der Messe im Marketing-Mix unverändert
Vor wenigen Tagen legte die AUMA, der Verband der deutschen Messewirtschaft, die neueste Ausgabe seines jährlich erscheinenden "Messe-Trends" vor. Die von unabhängigen Wissenschaftlern erhobenen Daten belegen erneut, dass branchenübergreifend von eine Krise der Messen nicht die Rede sein kann. Die seit Jahren schon viel beschworene Verdrängung der Messe durch Internet und andere Formen des Event-Marketing findet nicht statt. Vielmehr liegt der Anteil der Messe-Budgets am Marketing-Mix seit zehn Jahren stets bei ca. 40 Prozent.
Das Ranking der nach ihrer Relevanz sortierten Marketing-Instrumente führt die Messe unangefochten an: Messen/Ausstellungen > Persönlicher Verkauf > Direktmarketing > Werbung in Fachmedien > Events/Hausmessen/Roadshows > PR > Verkauf/Vertrieb im Internet.
Auch sehen die befragten Marketing-Experten keinen signifikanten Wandel der Bedeutung von Messen im Marketing-Mix: 61 Prozent erwarten für die Zukunft eine gleichbleibende Bedeutung der Messen im Marketing, 18 Prozent eine steigende und 19 Prozent eine geringere Bedeutung.
Allerdings stellen die von der AUMA beauftragten Marktforscher der TNS/Emnid eine zunehmende Internationalisierung des Messeengagements fest:
Anzumerken bleibt, dass die Befragung im Herbst 2008 erfolgte, zu einem Zeitpunkt, zu dem sich die allgemeine Wirtschaftskrise bereits abzeichnete, aber vielleicht noch nicht allen Befragten wirklich präsent war. Es gibt allerdings keinerlei Anzeichen, dass sich das Marketinginstrument Messe in einer strukturellen Krise befindet. Der Anteil der Messen im Marketing-Budget der Unternehmen ist weitgehend unverändert. Dass sich Messen im Zeitalter des Internet in Richtung auf mehr Interaktivität und Flexibilität ändern müssen, bleibt hiervon unberührt.
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Ich finde es mehr als mutig zu behaupten: “Es gibt keinerlei Anzeichen, dass sich das Marketinginstrument Messe in einer strukturellen Krise befindet.” – Nach der Krise, in der wir uns befinden, und unter dem Eindruck der dabei galoppierenden Digitalisierung des Business und der medialen Kommunikation, wird so ziemlich alles und jedes in eine strukturelle Krise geraten.
Wir erleben, dass Firmen unter dem Eindruck weg brechender Umsätze brutal und unspezifiziert Budgets kürzen. Das fängt bei den Reisekosten an – und das wird vor Messe-Aufwendungen nicht Halt machen.
Und wie will man dann argumentieren: brechen die Umsätze weg, weil jetzt so viel eingespart wird? Wohl kaum. Spannend wird es, wenn wir – irgendwann – langsam aus der Krise heraus kommen. Dann werden sicher alle Ausgaben weiter auf dem Prüfstand stehen.
Und ann werden sich längst aus der Verknappung heraus neue Kommunikationswege entwickelt haben. Und die sind ahnbar digital und interaktiv. Bleibt zu hoffen, dass der Soft-Faktor Mensch dann doch den persönlichen Kontakt sucht – sprich Messen – und ob das dann (wieder) finanziert werden wird.
Meine Prognose: sehr viele Messen werden virtualisiert werden – und der persönliche Kontakt wird sich ganz anders organisieren als vor der Krise….
Die Zukunft der Messen hängt hängt in erster Linie von den Messen ab: wenn es die Messeveranstalter schaffen sich zu Kommunikationsberatern ihrer Kunden zu entwickeln, die selbst mit ihren Messe-Marken einen attraktiven Mix aus personaler und virtueller Kommunikation und effizientes Match Making anbieten, dann werden sie als Gewinner aus der Krise kommen. Als bloße Vermieter beheizter Hallenflächen haben sie aber – davon bin ich überzeugt – keine nachhaltige Überlebenschance. Deshalb setze ich große Hoffnungen in das Konzept der discuss & discover.
Was aber die Studie des AUMA zeigt ist, dass das Geunke von der Messemüdigkeit der Unternehmen nicht stimmt. Wenn sich in den letzten Jahren der Anteil der Messeausgaben im Marketing-Mix nicht wesentlich verändert hat, dann gilt es nicht zu jammern, sondern gemeinsam mit Ausstellern und Besuchern Neues zu entwickeln.