Die 7 Geheimnisse des Obama-Flüsterers
Berührend und beeindruckend, offen und nüchtern – so schätzen Politiker, Diplomaten und Experten Obamas Antrittsrede ein. Ohne Zweifel: Obama ist ein rhetorischer Glücksfall. Wo immer er auch spricht: Die Menschen hängen an seinen Lippen. Der Redenschreiber von Obama schreibt Sätze, die Millionen Menschen Gänsehaut machen. Allerdings nur, wenn sein Chef sie ausspricht. Dieselben Worte aus dem Mund von, sagen wir, Kurt Beck, würden schlicht und blass wirken. Das macht einen guten Redenschreiber aus: Der Einklang mit dem Redner. Er muss dessen Gedanken lesen können, darf ihm keine fremden Worte in den Mund legen. Wenn Sie Ihren Redetext selbst schreiben, sollten Sie folgende Regeln beachten:
- Haben Sie sich auf das Thema konzentriert und nicht zuviel in die Rede gepackt? Gut! Eine Rede ist kein Bauchladen! Beschränken Sie sich auf ein einziges Thema und gliedern Sie dieses in maximal fünf logische Punkte, sonst verwirren Sie Ihre Zuhörer. Die größte Kunst eines Redners ist das Weglassen.
- Zeichnet sich Ihr Redetext durch “story telling – quality” aus? Gut! Kleiden Sie Ihre Botschaften in kleine Geschichten. Nichts hält Ihr Publikum besser wach! Nichts macht den Vortrag unterhaltsamer!
- Wollen Sie Ihr Publikum zum Lachen oder Schmunzeln bringen? Gut! Doch Vorsicht: Nichts ist peinlicher als ein Redner, der als einziger über seinen Witz lacht. Beschränken Sie sich auf Witze oder Anekdoten, die wirklich geistreich sind!
- Haben Sie Zitate eingebaut? Gut! Aber wählen Sie sorgfältig aus. Zitate mit Witz und Pfiff, kurz, von klugen Leuten mit Autorität, nicht zu viele und vermeiden Sie das Zitieren langer Passagen. Nehmen Sie immer Filetstücke, nie die ganze Kuh!
- Argumentieren Sie mit Zahlen? Gut! Nichts überzeugt mehr, als handfeste, konkrete, überprüfbare Zahlen. Es ist besser zu sagen “83%” als “die meisten” oder “die Mehrzahl”.
- Lockern Sie Ihren Text mit rhetorischen Fragen auf? Sehr gut! Sie machen neugierig und zwingen zum Mitdenken. Sie können ganze Passagen Ihrer Rede mit lauter klug gestellten rhetorischen Fragen bestreiten. Grundsätzlich gilt: Ein Vortrag ohne Fragen gleicht einem schlecht durchlüfteten Zimmer.
- Sind Ihre Sätze unterschiedlich lang? Prima! Gleichmäßig lange Sätze wirken monoton und machen müde. Oder sie wecken Aggressionen, wie ein tropfender Wasserhahn bei Nacht.
Autor
Gerhard Reichel,
Institut für Rhetorik,
Goethestraße 1,
91301 Forchheim,
Tel.: 09191/89501,
Fax: 09191/2801,
Email: reichel.seminare@t-online.de
http://www.gerhardreichel.de








Thema und Story, Botschaft und Ziel der Rede
Lieber Gerhard Reichel,
das ist eine gute Anleitung, um eine gute Rede zu schreiben und zu halten.
Beim Redenschreiben frage ich immer als erstes, was der Redner mit der Rede erreichen soll oder will, was seine Botschaft sein soll, was die Zuhörer mitnehmen sollen. Diese Meta-Ebene sollte am Anfang stehen. Sie bestimmt das genauere Thema und die Story der Rede.
Ansonsten ganz Ihrer Meinung, eine gute Anleitung zum Redenschreiben.
Otfrid Weiss, Dresden